Frankfurt am Main, den 18. Januar 2020 – Am 26. Januar 2020 organisieren die Regenbogen-Crew der AIDS-Hilfe Frankfurt e.V. und die katholische Gemeinde St. Bernhard in Kooperation mit dem Bündnis Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt in der Kirche St. Bernhard eine Veranstaltung mit zahlreichen Vertreter*innen von Gesellschaft, Religion und Politik zu Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus (Beginn 17 Uhr).

Die Veranstaltungsreihe rückt jedes Jahr eine andere verfolgte Opfergruppe in den Fokus. Dieses Jahr wird am Vorabend des 75. Jahrestages der Befreiung des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz der Opfergruppe der

„Asozialen“ gedacht und gewürdigt. „Das ganze Format ist ein Schlag in das barbarische Antlitz des nationalsozialistischen Weltbildes“, konstatiert Brigitte Weber, die Vorsitzende des Ortsausschusses von St. Bernhard. „Viele von denen, die in der ‘Volksgemeinschaft’ der Nazis keinen Platz mehr haben sollten, werden zusammenkommen und nicht nur an das Geschehene erinnern, sondern auch die Vielfalt unserer Gesellschaft abbilden.“

Britta   von   der   Recke   und   Christian   Gaa    des    Bündnisses    Akzeptanz   und Vielfalt Frankfurt betonen die  Bedeutung  dieser  Veranstaltung:  „Ob  gegenüber    Frauen*, Homosexuellen, Trans*Personen, Inter*Personen, Jüd*innen, Muslim*innen oder Geflüchteten. Der Ton wird rauer. Die Gewalt nimmt zu.   Es liegt an uns, ob wir in 5 oder 10 Jahren noch so frei sein können, wie wir es hier und jetzt sind. Egal wer angefeindet wird: Wir müssen hinsehen. Wir müssen hinhören. Wir müssen laut werden.“

Unter dem Sammelbegriff der „Asozialen“ wurde eine Vielzahl von Menschen zusammengefasst, u.a. Sinti und Roma, homosexuelle Frauen, Wohnungslose, Bettler*innen, Prostituierte und Zuhälter*innen, Arbeitsverweiger*innen, Gelegenheitsarbeiter*innen und Fürsorgeempfänger*innen. Bis heute sind diese Menschen in der Politik nicht als offizielle Opfergruppe anerkannt. Teilweise wird diese Opfergruppe sogar von anderen Opfergruppen abgelehnt. Dass diejenigen, die von  den  Nationalsozialisten  als  „Asoziale“  stigmatisiert  wurden,  bis  heute  nicht offiziell als Opfergruppe anerkannt sind, ist für Lars von der Weth von der Regenbogen-Crew der AIDS-Hilfe Frankfurt ein Skandal. “Dadurch, dass man diesen Menschen die offizielle Anerkennung als Opfer des Nationalsozialismus verweigert, macht man sie ein zweites Mal zu Opfern”, so von der Weth.

Aufgrund zu geringer Zusammenschlüsse und Organisationen ist die Gruppe der “Asozialen” kaum öffentlich vertreten und in der Aufarbeitung nach dem Krieg selten bedacht. Dies wollen wir ändern.

Gemeinsam erheben wir an diesem Tag unsere Stimmen und setzen ein starkes Zeichen für Freiheit, Vielfalt und ein friedliches Miteinander. Diese Aktion trägt zur Förderung einer Erinnerungskultur in Frankfurt am Main bei, stärkt die intersektionale Zusammenarbeit und tritt jeglichen Ressentiments und Rassismus entgegen.

Ablauf Gedenkveranstaltung, 26. Januar 2020

16:45 Uhr – Einlass in die Kirche St. Bernhard, Koselstraße 11 – 13, 60318 Frankfurt

17:00 Uhr – Beginn der Veranstaltung; Redebeiträge und musikalische Auftritte

18:45 Uhr – Gedenkgang zum ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld

19:00 Uhr – Zeitzeug*innen-Berichte und Gedenkminute

Redner*innen

Kai Klose (Hessischer Staatsminister für Soziales und Integration)

Lars von der Weth und Lucas Nikodym (Regenbogen-Crew der AIDS-Hilfe Frankfurt e.V.)

Petra Löbermann (Gemeindereferentin in der Dompfarrei St. Bartholomäus, Gemeinde St. Bernhard)

Andrew Steinman (Rabbiner der Budge-Stiftung Frankfurt am Main)

Dr. Olaf Lewerenz (Evangelischer Stadtkirchenpfarrer St. Katharinen)

Dr. Johannes zu Eltz (Stadtdekan der katholische Kirche Frankfurt am Main)

Andreas Dickerboom (Gegen Vergessen für Demokratie e.V.)

Jessica Purkardt (Frankfurter LGBT*IQ-Szene-Aktivistin)

Prof. Frank Nonnenmacher (Gesellschaftswissenschaften der Goethe Universität)

Bruder Michael Wies (Leiter Franziskustreff Frankfurt)

Christian Gaa und Britta von der Recke (Bündnis Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt)

Stephan Wirtz (Förderverein Roma e.V.)